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Erich Heckel Zwei ruhende Frauen, 1909 Farbholzschnitt Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders   © VG Bild-Kunst, Bonn 2024

Erich Heckel Zwei ruhende Frauen, 1909 Farbholzschnitt Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders © VG Bild-Kunst, Bonn 2024

Berlin: Die gerettete Moderne. Meisterwerke von Kirchner bis Picasso Geändert

https://www.smb.museum/ausstellungen/detail/die-gerettete-moderne/


02.02.2024 - 21.04.2024
Kulturforum, Kupferstichkabinett Matthäikirchplatz, 10785 Berlin
1937 wurden im Rahmen der nationalsozialistischen Aktion „Entartete Kunst“ auch aus dem Berliner Kupferstichkabinett zahlreiche Werke der klassischen Moderne entfernt. Der damalige Kustos Willy Kurth rettete dabei wagemutig Hunderte von Graphiken vor dem drohenden Verlust. In Anlehnung an die 2023 erschienene Publikation „Die Aktion ‚Entartete Kunst‘ 1937 im Berliner Kupferstichkabinett“ zeigt die Ausstellung anhand ausgewählter Werke, was damals der Beschlagnahmung entging. Mit Arbeiten von Max Beckmann, Otto Dix, George Grosz, Ernst Ludwig Kirchner, Wassily Kandinsky, Henri Matisse, Edvard Munch und Pablo Picasso zeigt sie darüber hinaus das herausragende Profil des Kupferstichkabinetts im Bereich der Moderne auf.



Im Sommer 1937 wurden im Rahmen der NS-Aktion „Entartete Kunst“ in großem Umfang Werke der heute klassischen Moderne als „auszumerzende Verfallskunst“ aus den Beständen des Berliner Kupferstichkabinetts entfernt. Bei einer ersten Beschlagnahmung am 7. Juli, die im Vorfeld der zwölf Tage später in München eröffneten Feme-Ausstellung „Entartete Kunst“ erfolgte, verlor die Sammlung über 100 Werke, die unter anderem von Max Beckmann, Otto Dix und Emil Nolde stammten.



Als es am 14. und 16. August desselben Jahres zu einer noch größeren Entzugsaktion kam, die schließlich wohl mehr als 700 Arbeiten betraf, gelang es dem damaligen Moderne-Kustos Willy Kurth, besonders wichtige Werkgruppen bedeutender Künstler*innen zu retten. Sein riskanter Einsatz, der im gezielten Austausch von Graphiken bestand, erfolgte heimlich hinter dem Rücken seines sich den Nationalsozialisten gegenüber kooperativ zeigenden Direktors Friedrich Winkler. Auf diese Weise verblieben – oftmals in anderen Bereichen der Sammlung versteckt – hunderte Arbeiten an der Sammlung. Während etwa Künstler*innenporträts und farbige Graphik gerettet wurden, „opferte“ Kurth viele Landschaftsdarstellungen oder die Werke weniger bedeutender Künstler*innen.



Die Ausstellung veranschaulicht anhand von rund 95 ausgewählten Arbeiten, was an druckgraphischen Einzelblättern und Mappenwerken 1937 mutig gerettet wurde und dem Verlust entging. Viele dieser Werke, die heutzutage zu den besten der jeweiligen Künstler*innen zählen, wurden damals in deutschen Museen beschlagnahmt und zu Teil zum Gewinn von Devisen ins Ausland verkauft. Ebenso verdeutlicht die Ausstellung das damals hinsichtlich Qualität und Quantität der Werke herausragende Profil des Berliner Kupferstichkabinetts auf dem Feld der Moderne, das nach dem Zweiten Weltkrieg – in den Jahren der deutschen Teilung im Westen und Osten Berlins – ebenso mühsam wie erfolgreich wiederaufgebaut wurde.



Dieses Profil hatten Willy Kurth (1881-1963), seit 1924 verantwortlicher Wissenschaftler für die damals zeitgenössische Druckgraphik, und sein Amtsvorgänger Curt Glaser über zwei Jahrzehnte lang maßgeblich geformt. Gegen den Willen seines Direktors, der der Moderne ablehnend gegenüberstand, erwarb der ebenso engagierte wie fintenreiche Kurth noch Anfang 1937 etwa Werke von Otto Mueller und Ernst Barlach – nur wenige Monate, ehe trotz seiner Rettungsaktion so viele Meisterblätter der Moderne teilweise für immer verlorengingen.



Als Leitsterne der Sammlungstätigkeit Kurths erweisen sich dabei Edvard Munch, Käthe Kollwitz und vor allem Ernst Ludwig Kirchner, dessen Arbeiten in großem Stile gesammelt wurden. Schenkungen von Berliner Galerist*innen und Verleger*innen spielten dabei eine wesentliche Rolle. Zudem gelangten auf Initiative von Willy Kurth, der nach dem Zweiten Weltkrieg Generaldirektor der Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci wurde, erstmals Werke von Wassily Kandinsky, Otto Dix und George Grosz in die Sammlung.



Zwar bildete die Graphik des deutschen Expressionismus – besonders der Brücke-Künstler – den eigentlichen Schwerpunkt der Moderne am Kupferstichkabinett, doch besaß die Ende des 19. Jahrhunderts gegründete Neue Abteilung des Museums eine starke französische Komponente, für die Arbeiten von Paul Gauguin, Henri Matisse, Georges Rouault und besonders Pablo Picasso einstehen können. Zu den weiteren Künstler*innen der Ausstellung zählen neben Ernst Barlach, Max Beckmann, Erich Heckel, Oskar Kokoschka, Wilhelm Lehmbruck, Emil Nolde oder Karl Schmidt-Rottluff der von Willy Kurth besonders geschätzte Alfred Kubin und der heute wenig bekannte Rudolf Großmann.



Anlass für die Sonderausstellung ist das 2023 erschienene Buch „Die Aktion Entartete Kunst 1937 im Berliner Kupferstichkabinett. Kustos Willy Kurth rettet Meisterblätter der Moderne“ (Lukas Verlag, Berlin) von Anita Beloubek-Hammer, der langjährigen Kuratorin für die Moderne am Berliner Kupferstichkabinett. Initiiert und großzügig finanziert wurde die umfassende Publikation von der Ferdinand-Moeller-Stiftung, Berlin.

Eingetragen am: Donnerstag, 11.01.2024
Letzte Änderung: Samstag, 17.02.2024


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